Fragen einer Praxiskatze

rund um Hypnotherapie und Trance

Praxiskatze

Hypnose und die Katze Luna

Das ist Luna. Sie ist eine "Scheidungswaise". Als klar war, dass sich ihre Besitzer trennen werden, fackelte die Katzendame aus dem oberfränkischen Münchberg nicht lange und suchte sich ein neues Zuhause - meine Hypnose-Praxis.

Hier lebt sie nun schon seit einigen Jahren und sieht Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit den verschiedensten Anliegen ein- und ausgehen. Viele der Älteren möchten aufhören zu rauchen, Alkohol zu trinken, wollen abnehmen, gelassener ihr Arbeitspensum bewältigen, angstfrei durch den Alltag gehen, zuversichtlich in die Zukunft blicken; viele der Jüngeren leiden unter der Schule, nässen nachts ein, kauen an den Fingernägeln, fühlen sich unverstanden - um nur einige Beispiele zu nennen.

 

Wenn Luna nicht gerade schläft oder im Garten Mäuse fängt, begrüßt sie auch gerne jene Menschen, die meine Hilfe als Diplom-Psychologin und Hypnotherapeutin suchen - und hört später aufmerksam zu, wenn ich von deren Sorgen und Nöten erzähle. Natürlich unterliege ich der Schweigepflicht, aber da Luna zwar Deutsch versteht, es aber nicht sprechen kann, weiß ich alles Gesagte bei ihr gut aufgehoben. Wir kommunizieren über Intuition - und oft ist der Vierbeiner verwundert darüber, wie schwer sich manche Zweibeiner das Leben machen.

Um ihren Alltag zu meistern, benötigt Luna keinen psychologischen Beistand. Sie weiß nicht, was Hypnotherapie ist und wobei diese Methode helfen kann. Und da Katzen neugierig sind, hat sie angefangen, Fragen zu stellen ...



Wie funktioniert Hypnotherapie?

Luna:

Ich beobachte die Sitzungen mit deinen Klienten schon lange. Mit Bühnenshow hat Hypnotherapie nichts zu tun, das habe ich inzwischen begriffen. Aber wie wirkt diese Therapieform eigentlich?


 

Dipl.-Psych. Berggold:

Die moderne Hypnose ist vor allem durch den amerikanischen Psychiater Milton H. Erickson (1901 -1980) bekannt geworden. Die Hypnotherapie arbeitet mit dem Unbewussten des Menschen. Im Bewusstseinszustand der Trance fällt es dem Individuum leichter, sein inneres, meist verborgenes Wissen anzuzapfen und im Alltag als Hilfsquelle zu nutzen.


Was ist Trance?

Luna:


Du sagst, deine Klienten seien in Trance. Aber ich sehe sie immer putzmunter kommen und gehen - und während der Sitzung sprichst du sogar mit ihnen!


 

Dipl.-Psych. Berggold:

Tja, den Zustand der Trance begreiflich zu machen, ist schwierig. Die meisten Menschen denken an völliges Wegtreten, an das Ausblenden jeglicher Gedanken. Die Wissenschaft jedoch definiert die hypnotische Trance als einen entspannten Wachzustand mit erhöhter Alpha-Tätigkeit, ein Gehirnsignal, messbar mit der Elektroenzephalografie. Beobachte einmal dein eigenes Verhalten: Du als Katze liegst oft auf dem Sofa mit ganz oder halb geöffneten Augen, bist allerdings weder wach noch im Tiefschlaf.


Wie gelingt das Abnehmen?

Luna:


Viele Menschen kommen zu dir, um abzunehmen. Weshalb habt ihr Zweibeiner solche Probleme, ein Normalgewicht zu halten? Ich gebe zu, dass ich im Winter auch über meinen üblichen 3.400 Gramm liege, weil ich mich dann mehr im Haus aufhalte und weniger bewege, aber grundsätzlich fresse ich nur das, was mein Körper wirklich braucht. Meine Artgenossen in der Wildnis sind noch viel konsequenter - aber die haben auch nicht ständig Tüten mit diesen köstlich duftenden Leckerlis vor der Nase.


 

Dipl.-Psych. Berggold:

Da hast du recht! Menschliche Nahrung ist in der westlichen Welt jederzeit verfügbar - ob im Laden oder im Automaten. Und der Mensch lässt sich leicht verführen. Der Duft aus einer Bäckerei, die herzhafte Pizza in der Werbung, Regale voller Kartoffelchips und Süßigkeiten im Supermarkt - unser Gehirn bevorzugt unbewusst Lebensmittel, die einen Belohnungseffekt versprechen. Und hier setzt die Hypnotherapie an. Das Unbewusste der Frauen und Männer, die mich um Hilfe bitten, erhält Botschaften. Diese Botschaften, das Fachwort heißt Suggestionen, führen dazu, dass die Betroffenen nach der Behandlung nur essen, wenn sie wirklich Hunger haben. Sie benötigen zudem nur noch kleine Portionen. Außerdem verspüren sie mehr Lust sich zu bewegen.


Rauchfrei! Wie geht das?

Luna:


Wenn Raucher deine Praxis aufsuchen, habe ich immer viel zu schnuppern. Wir Katzen haben mit Tabak wenig am Hut, aber vielleicht bedeuten Zigaretten & Co. für euch Menschen das Gleiche, wie der Duft von Mäusen für mich. Da kann ich einfach nicht widerstehen. Angesichts einer Maus sind mir selbst Leckerlis gleichgültig.


 

Dipl.-Psych. Berggold:

Als Zweibeiner laufe ich vor einer Maus lieber davon, als dass ich sie riechen oder gar verspeisen möchte, aber ich verstehe deinen Vergleich. Was das Rauchen betrifft: Hier befinden sich viele Menschen im Konflikt. Sie haben zwar den Vorsatz, das schädliche Verhalten zu lassen, doch der "innere Schweinehund" möchte sich beispielsweise belohnen oder entspannen. In der zweistündigen Gruppensitzung geht es darum, diesen "Schweinehund" durch Hypnose zu zähmen, sodass das Rauchen den Betroffenen gleichgültig wird.


Was tun gegen Angst?

Luna:


Große Hunde oder die Knallerei zu Silvester machen mir Angst. Deine Klienten fürchten sich vor Aufzügen, weiten Plätzen, Zug- und Autobahnfahrten, vor Schule, Prüfungen, Spritzen, Insekten ... Puh, die Liste möglicher Ängste ist enorm lang. Wie kann da die Hypnotherapie helfen?


 

Dipl.-Psych. Berggold:

Angst ist heute weit verbreitet. Ist sie in einer gefährlichen Situation berechtigt, zweifeln Betroffene an sich, wenn sie sich plötzlich nicht mehr trauen, beispielsweise allein einen Laden zu betreten oder mit dem Wagen die Autobahn zu nutzen. Körperliche Symptome wie Herzklopfen, Schweißausbrüche, Zittern, Atembeschwerden und Schwindel führen dazu, dass die Menschen ihren Alltag kaum noch meistern können.

Die Hypnotherapie fahndet im Lebenslauf der Betroffenen auf der unbewussten Ebene nach den wahren Auslösern der Ängste. Sind diese erst einmal erkannt, ist es den Menschen möglich, sich von ihrer Angst zu befreien.


Betrübt oder depressiv?

Luna:


Nach meiner schweren Operation vor ein paar Jahren fühlte ich mich gar nicht gut. Ich habe viel geschlafen, kaum noch gefressen, war an Toben, Klettern und Mäusefang überhaupt nicht mehr interessiert. Waren das bereits Anzeichen einer Depression?


 

Dipl.-Psych. Berggold:

Du warst niedergeschlagen, bist aber schnell wieder auf die Beine gekommen. Grundsätzlich zeigt sich eine Depression beim Tier wie beim Menschen durch veränderte Stimmung und Aktivität, meist ausgelöst durch belastende Ereignisse. Betroffene fühlen sich oft wertlos und haben Schuldgefühle. Um von einer Depression im klinischen Sinne zu sprechen, müssen die Symptome mindestens zwei Wochen anhalten.

Luna:


Und wie kannst du helfen?


Dipl.-Psych. Berggold:

Die Hypnotherapie arbeitet mit dem Unbewussten. Verdrängte Ursachen der Depression werden aufgespürt, die Selbstheilungskräfte des Betroffenen gestärkt. Nach und nach finden die Menschen den Weg ins aktive Leben zurück.


Gelassenheit statt Stress

Luna:


Ich gehe meist entspannt durchs Leben. Stress habe ich, wenn ich in der Transportbox stecke und du mich zum Tierarzt bringst. Dann bekomme ich feuchte Pfötchen. Ein Symptom, das zu Hause wieder verschwindet. Ihr Menschen allerdings steht fast ständig unter Strom.


 

Dipl.-Psych. Berggold:

Der Druck ist groß, in der heutigen Gesellschaft funktionieren zu müssen. Die Anforderungen beginnen bereits in der Schule und setzen sich im Beruf und sogar während der Freizeit fort. Die Hypnotherapie öffnet dem Individuum den Zugang zu seinen inneren Kraftquellen. Der Mensch wird gelassener.


Alkohol? Nein danke!

Luna:


Abgestandenes Wasser - im Winter sogar gefroren - schlappere ich besonders gern. Obwohl ich weiß, dass das nicht gesund ist, trinke ich es trotzdem. Es schmeckt mir eben! Wenn es um Alkohol geht, seid ihr Menschen doch genauso unvernünftig!


 

Dipl.-Psych. Berggold:

Leider! Unvernunft gehört zur menschlichen Natur. Was als Genuss erlebt wird - Rauchen, Zucker, Alkohol - ist meist schädlich. Aber der unausgeglichene Mensch möchte sich belohnen und entspannen und greift daher zu leicht verfügbaren Substanzen, wie Tabak und Alkohol. Wer nach gesunden Alternativen sucht, wird durch die Hypnotherapie unterstützt.


Schmerz als Botschaft

Luna:


Bei Schmerzen sind wir Katzen sehr leidensfähig - müssen es sein, da wir die Beschwerden nicht benennen können. Ihr Menschen geht zum Arzt und sagt, was Sache ist! Ich verstehe jedoch nicht, weshalb Schmerzpatienten zu dir als Psychologin kommen?


 

Dipl.-Psych. Berggold:

Du wirst es kaum glauben! Oft fällt es Patienten und sogar Ärzten schwer, Symptome zu deuten. Nicht immer liegt den Beschwerden eine organische Erkrankung zugrunde. Der Geist, die Psyche, kann den Körper beeinflussen. Schmerzen sind Botschaften. Hier hilft das Unbewusste. Es übersetzt mit Hilfe hypnotherapeutischer Techniken die Aussagen des Körpers, vermittelt zwischen ihm und der Psyche. Der Körper fühlt sich verstanden. Der Mensch erlebt sich als schmerzfrei.


Therapie auch für Kinder

Luna:


In deinen psychologischen Fachbüchern gibt es Kapitel über "Störungen des Kindes- und Jugendalters". Genannt werden unter anderem Schlafwandeln, Nägelkauen, Einnässen ... Wobei sollst du den Kindern und Jugendlichen am häufigsten helfen?


 

Dipl.-Psych. Berggold:

Das Einnässen, der Fachbegriff heißt Enuresis, ist für viele Jungen und Mädchen ein Problem. Tagsüber können sie die Harnblase kontrollieren, doch nachts pinkeln sie ins Bett. Die Ursachen sind meist psychischer Natur, wie getrennte Eltern, Eifersucht auf Geschwister, Schulprobleme oder Ängste. Hypnotherapie eignet sich für Kinder ab sechs Jahren - und die Kleinen haben Spaß daran, spielerisch ihre Probleme zu lösen.


Startschuss zum Sieg!

Luna:


Höher, weiter, schneller! Beim Sport, vor allem beim Klettern, macht mir keiner was vor. Ich wage viel, bin mutig und risikobereit. Was für ein Versager ist doch der Kater von nebenan! Sitzt zögerlich unterm Baum, während ich herumspringe!


 

Dipl.-Psych. Berggold:

Also wirklich, Luna! Ein bisschen mehr Respekt! Du weißt doch, dass der Nachbarskater von einem Auto angefahren wurde. Seitdem ist er ängstlich. Bedrohliche Ereignisse können zu Blockaden führen. Vielleicht erinnerst du dich an die Turnerin, die nach einem glimpflich verlaufenen Radunfall den Leistungssport aufgeben wollte? Durch hypnotherapeutische Sitzungen hat sie ihre Psyche positiv beeinflusst und ihr Selbstvertrauen zurückgewonnen.


Auftanken im Wald!

Luna:


Die Natur ist mein Lebenselixier. Ohne Wiesen, Sträucher und Bäume wäre mein Dasein trostlos. Einige deiner Klienten verbringen ihre meiste Zeit in geschlossenen Räumen. Wissen die vielleicht gar nicht, was sie alles im Freien entdecken können?


 

Dipl.-Psych. Berggold:

Menschen vergessen oft aufgrund ihrer Aufgaben und Pflichten, im Alltag innezuhalten. Doch es ist wichtig, ein gesundes Gleichgewicht zwischen Anspannung und Entspannung zu finden. Ich habe mich zur Waldgesundheitstrainerin ausbilden lassen, um therapeutisch nicht nur in meiner Praxis, sondern auch in der Natur arbeiten zu können. Waldbaden nennt man diese Herangehensweise. Spezielle Übungen schulen die Achtsamkeit meiner Klientinnen und Klienten und sprechen alle Sinne an, wie Sehen, Riechen, Hören, Schmecken und Tasten. Gedanken rücken in den Hintergrund. Auch als Gruppe kann man mich für das dreistündige Waldgesundheitstraining buchen.


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